KSK 2018

Behind the Idea – “Hässliches“ Poster

5. August 2018 by Ksk-Team
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Dass die braunen Kacheln der Nachkriegsarchitektur auf unserem Poster großes Potential haben, symbolisch für das „Hässliche“ zu stehen, lässt sich wohl kaum abstreiten. Wieso aber haben wir uns gerade für die Kacheln als Versinnbildlichung für das Thema des 95. KSK in Köln entschieden? Und was hat das Farbkonzept mit Köln zu tun? Wir verratens euch in der zweiten Ausgabe von „Behind the Idea“:

Köln ist eine schöne Stadt! Dieses Gefühl bekommt man zumindest, wenn man am Hauptbahnhof aus dem Zug steigt, das Gebäude durch den Westeingang verlässt und unmittelbar zu Füßen des Kölner Doms steht. Doch spätestens wenn man das Areal des beliebtesten Weltkulturerbes in Deutschland in Richtung Süden verlässt und vor den bunten Fassaden der in der Nachkriegszeit zu Großteilen rekonstruierten Altstadt steht, schlägt diese Wahrnehmung um. Im Viertel mit den farbenfrohen ‚Altbauten‘ trifft man zumindest selten einen Kölner, die Altstadt ist zu einer Kulissenstadt für die tausenden von Touristen geworden, die hier  täglich ihr überteuertes Kölsch in einem der zahlreichen Brauhäuser schlürfen. 

Will man etwas vom echten Köln und seiner Städtebaugeschichte sehen, so muss man sich gar nicht weit von Dom und Altstadt entfernen. Schon beim Gang durch die Fußgängerzone in Richtung Neumarkt eröffnet sich das volle Ausmaß der funktionalistischen Pläne für ein Köln als autogerechte Stadt, dem in den 50er und 60er Jahren zahlreiche mittelalterliche Bauten weichen mussten. Nicht umsonst dient Köln regelmäßig als Paradebeispiel des größten städtebaulichen Fails des letzten Jahrhunderts.

Neben dem täglichen Verkehrschaos in der Kölner Innenstadt gibt es aber ein zweites allgegenwärtiges Symbol des Wiederaufbaus in Köln: die Kachelfassade. Ursprünglich nur in Metzgereien und Badezimmern zu finden, wurden die Fliese in allen erdenklichen Farben und Formen zwischen den späten 40er und den frühen 60er Jahren zum beliebten Material am Bau. Dass gerade in Köln die Kacheln auf dem Vormarsch waren mag an der hohen Bautätigkeit zu dieser Zeit liegen, war die Stadt doch durch die Bombenangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zu 70% zerstört worden. Hinzu kommt, dass mit den Ludwig-Kessel-Werken in Bonn eine große Produktionsstätte für eben dieses Material in unmittelbarer Nähe lag. Galten die Kachelfassaden vor einigen Jahrzehnten noch als Symbol für Sauberkeit und Kultiviertheit, ist ihre Bedeutung durch die heutige ästhetische Wahrnehmung wohl eher ins Gegenteil verkehrt. Wir finden den „Kölschen Klinker“ trotzdem schön-hässlich.

Doch nicht nur der Hintergrund unseres Plakates zeigt einen Bezug zu Köln, auch hinter dem Farbkonzept versteckt sich ein Easter Egg. So ist auch der Grünton des Designs fest in der Geschichte und dem Stadtbild Kölns verankert. Die Namen des Farbtons verraten schon alles, was man wissen muss: „Kölner Brückengrün“ oder „Adenauer-Grün“. 1929 hatte der damalige Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer die Bayer AG in Leverkusen damit beauftragt, eine patinagrüne Farbe für die Kölner Rheinbrücken zu entwickeln. Noch heute erstrahlen nicht nur die vier städtischen der acht Rheinbrücken in diesem Grünton, sondern seit kurzem auch unser Plakat.