KSK 2018

Behind the idea – zu unseren „schön oder hässlich?“-Umfragen bei Instagram

14. Juli 2018 by Ksk-Team
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Die erste Lektion, die wir im Kunstgeschichtsstudium gelernt haben, lautete: „Wir werten nicht!“ Dass die Einordnung in ästhetische Kategorien im alltäglich Umgang mit Kunstobjekten und Architektur oftmals nicht funktioniert, ist uns schnell klar geworden. Was von der Allgemeinheit als schön oder hässlich, angesagt oder uninteressant, gut oder schlecht empfunden wird, bestimmen verschiedenste Konstanten wie museale Institutionen, der Kunstmarkt, Kunst im öffentlichen Raum und in jüngerer Zeit auch die sozialen Medien. Welche Rolle die gesellschaftliche Bewertung von Kunst und Architektur im kunstwissenschaftlichen Diskurs spielt und wie und warum sich diese Bewertung verändern kann, wollen wir beim KSK in Köln diesen November mit euch diskutieren.

Das beste Beispiel dafür dass Sehgewohnheiten und mit ihnen das ästhetische Empfinden beeinflussbar und schulbar sind, zeigte das Deutsche Architekturmuseum erst kürzlich in seiner Ausstellung „SOS Brutalism“, die bis April diesen Jahres in Frankfurt gezeigt und von einer umfassenden Social-Media-Kampagne begleitet wurde. Für den gleichzeitigen Aufbau einer Datenbank für brutalistische Bauten der 1950er bis 70er Jahre mit dem Aufruf „save our beloved concrete monsters“ wurden Accounts auf allen gängigen Social-Media-Plattformen angelegt, die zum einreichen von Fotos benannter Bauten aufriefen. Besonders der Instagramfeed von SOS Brutalism, dem mittlerweile über 15.000 User folgen, trug einen großen Teil zu einer ästhetischen Aufwertung der Betonbauweise der Nachkriegszeit bei. Tägliche Posts, oftmals als schwarz-weiß-Foto, betonen den skulpturalen Charakter der Bauten und vertuschen dabei geschickt die witterungsbedingten Probleme, die besonders das Material Sichtbeton mit sich bringt. Aber das Aufzeigen des ästhetischen Potentials dieser Bauten, das tägliche vor-Augen-führen und die Informationen über den Entwurfsgedanken hinter den „Betonmonstern“ schaffen Verständnis für die von der Allgemeinheit eher ungeliebte Bauweise – und Verständnis birgt das große Potential, unser ästhetisches Empfinden zum Positiven zu beeinflussen. Seit der Ausstellung erscheinen jeden Monat neue Publikationen über den Brutalismus und zahlreiche Instagramseiten feiern die Hässlichkeit von Städten in ästhetisch ansprechenden Fotos.

Um die Diskussion über die Subjektivität, Manipulierbarkeit und Lernfähigkeit unseres ästhetischen Empfindens anzuregen, unternehmen wir mit euch in den kommenden Wochen in unseren Instagramstories Rundgänge durch Köln und zeigen euch dort seine Architektur, Denkmäler und Kunstwerke um anschließend zu fragen, ob ihr diese schön oder hässlich findet. Die Ergebnisse dieser Abstimmungen werden euch mit Sicherheit überraschen. Denn: Hässlichkeit liegt im Auge des Betrachters und der Betrachterin.